Currently on show at Visual Voice Art Gallery are the exciting works by artists Andrea Rausch and Geneviève Saumier.

Andrea Rausch is a German born artist who is currently based inHamburg. She studied at the Hochschule für bildende Künste inHamburg and at the Royal College of Art inLondon,England. Her work has been featured extensively in her home country and in theU.K.  Rausch’s work has also been featured in five art catalogues.

Seeing the work of artist Andrea Rausch is an invitation to delve deeply into the psyche of the artist. Currently on exhibit is her series Umnachtungshaut (Blackout Skin) which as the artist points out described a period in her life when she went through emotional trauma. According to Rausch: “I felt as though darkness was enveloping me like a skin.” The paintings act as a catharsis in which Rausch has employed a richly textured palette to illustrate the deepest and darkest part of her soul. Working in abstraction her vision is intense with emotion as she creates haunting narratives of her experience.

In much of her work, there are representations of the female form set against a backdrop of warm intense reds and oranges juxtaposed by dark lines black lines of charcoal and ink that impose themselves upon the canvas. Rausch is said to incorporate archetypes of Greek mythology into her work; and with layered movement infused with unrestrained brush strokes she has created her own dark narrative populated by passionate characters

By Khoba Sysavane





Text zur Arbeit von Andrea Rausch von Eberhard Stosch, Kunsthistoriker aus Hamburg


FREMD ZU HAUSE

Andrea Rausch im Künstlerhaus Bergedorf


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Die Autonomie von Kunst und Künstler , sie ist tief eingewoben, seit der Gründung der Institution, in das Selbstverständnis und die Praxis des Künstlerhauses Bergedorf. Andrea Rauschs Malerei auszustellen, diese Entscheidung taugt aufs allerschönste zum Nachweis , dass das mittlerweile mit Tradition begabte Konzept sich lebendig erhält.

Fremd zu Hause“ ist der Titel der Ausstellung. Sie präsentiert eine erkleckliche Anzahl von Gemälden unterschiedlichen Formats in verschiedenen Techniken, zumeist Öl, aber auch Acryl, Aquarell , sowie Digitaldruck und mixed media, hier zu verstehen z.B. als Übermalung von Photographie. Das Technisch-Handwerkliche wird von Andrea Rausch souverän eingesetzt in der formalen Strukturierung wie der farbigen Orchestrierung ihrer Werke, und das nicht erst seit heute. Auf dem Fundament der malerischen Durchführung lässt die Künstlerin Visionäres entstehen, mit dem älteren Ausdruck: Gesichte. Es sind diese verstörenden ‚“figments of the mind“ heißen sie bei Shakespeare, trügerisch-reale, zugleich aber potentiell befreiende Figurationen des Visuellen.

Eine langwährende Überlieferung ist es nun, die dem zentralen Thema dieser Bilder zugrundeliegt. Die Gestalt der Medea, die zur Mörderin ihrer Kinder wird, erschien dereinst auf der Bühne des Theater der Griechen . Katharsis ist das Ziel, das deren Bühnenspiel grundiert: Mit Furcht und Zittern, und gebannt in traumähnliche Faszination folgte das Publikum dem Geschehen auf der Bühne, da sich die Tragödie zutrug. Verraten und ausgesetzt in der Fremde wird Medea in die Entsetzlichkeiten ihrer Tat getrieben.

In der Geschichte der Kunst haben vor allem die Maler die Gestalt dieser kindermordenden Verlassenen immer wieder mit großem Pathos inszeniert. Man blicke auf einen Romantiker wie Delacroix. Die Ikonographie sieht Medea mit dem gezückten Dolch. Die Kinder drängen sich schutzsuchend an sie. Wut und Trauer im Blick, wendet sie sich, hält Ausschau nach dem Verräter Jason, dem sie, ihrerseits Verrat übend, einst half, das Goldene Vliess zu rauben.

Soweit, so gut. Wie aber steht es mit einem solchen Stoff heute? Die Wirkungsgeschichte des Medea-Themas in den vergangenen vierzig Jahren erklärt sich aus dem historischen Aufbruch, den wir als Feminismus kennen. Es läßt sich nicht von der Hand weisen, daß Medea wie kaum eine andere weibliche Gestalt die Probleme der weiblichen Identität spiegelt. Das Theater, die Oper, der Film werden seit den siebziger Jahren nicht müde, den Stoff zu drehen und zu wenden. Ähnlich die Literatur, wobei die Version der Christa Wolf die stärksten Impulse aussendet.

Die Thematisierung des Medeastoffes ist dabei keineswegs bloß retrospektiv. Im Gegenteil, die Figur erlaubt Explorationen des Terrains der Emanzipation, die grundstürzende Folgen zeitigen. Mit einem Wort, es ist die feministische Wende, die in nicht zu überschätzender Weise einer Wiederaneignung des Stoffes den Boden bereitet. Medea ist eine Sonde, die im gesellschaftlichen Körper die tiefsten Tiefen auslotet. „Nirgends“, heisst es schon bei RM Rilke, " wird Welt sein als Innen …“.

Die Malerei der Andrea Rausch wagt sich in jenes Innen, in jenes Dunkel, das dunkler ist als eine lichtlose Nacht. Das Unbewußte ist nach Freud wie ein dunkler Kontinent, dort schlafen die Ungeheuer . Sie heißen Eros und Thanatos. Das rücksichtslose, gewalttätige Begehren und der alles verschlingende Tod. Freuds kulturelle Tat besteht nicht zuletzt darin, dass er zwingend machen konnte, dass die Konflikte, die sich im Seelenleben des modernen Menschen zeigen, in der Welt der Griechen, in deren Mythos vorgebildet sind.

Was der Zeitgeist um 1900 "Nervenschwäche" nennt, wird in der Sprache der Psychoanalyse zum zentralen Symptom der Moderne. Die Störung des Seelischen, Neurose geheißen, tritt im Komplex zutage: Ödipus, Elektra, und im Fall der Medea, obwohl nach ihr kein Komplex benannt ist.

Andrea Rauschs Bilder wissen um diese Zusammenhänge, ja, sie sprechen zu uns davon in ihrer eigenen - unnachahmlichen - Weise. Könnten sie auch in Worten reden, so würden sie vielleicht sagen: „Nicht wie WIR wollen, sondern wie ES will“. Sie, deren visuelle Eloquenz dem Betrachter manches Mal mehr aufbürdet, als unmittelbar zu bewältigen ist, würden damit ein zentrales Wort Freuds variieren, und zugleich ihr Potential treffend benennen.

Gemeint sind jene Kräfte, die Wandlungen des Innen bewirken. Der Dichter Rilke spricht in einem seiner "Sonette an Orpheus" von der Macht des Kunstwerks, solche Transformationen des Ichs auszulösen. Ein Torso des Apoll wird beschworen, eine Figur ohne Kopf. Es heißt dann, wundersamerweise, daß dieser Torso uns ansieht: " Da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern."

Die Bilder sind demnach nicht bloß ästhetische Gegenstände, deren Schönheiten es zu entdecken gilt. Das sind sie wohl auch, freilich auf sehr besondere Weise: Die Malerei behandelt gerade das Entsetzliche, das uns innerlich erzittern lassen kann, mit einer Farbigkeit , mit einer Komposition, deren Modulationen das Auge zu betören vermag. Dies erweist sich insbesondere aus der Nahsicht. Die erste Anmutung aber, kulminierend im gegenständlich Gefassten der Themen, will eher ertragen als genossen sein. Besonders auf den ersten Blick.

Das aber liegt weniger an den Bildern selber als an uns, den Betrachtern, die wir aus dem Brunnen unseres Unbewussten schöpfen, so wir uns denn den Bildern öffnen. Am Beginn der Moderne, im Augenblick einer vielberufenen "Entzauberung der Welt", ruft Einer, der nicht irgendjemand ist, dem Publikum der Kunst etwas Bedeutsames zu. Man möge nicht glauben, das Bild hänge an der Wand. Vielmehr müsse jeder einzelne es in sich erschaffen.



Wendet man vor diesem Hintergrund den Blick noch einmal auf den Titel der Ausstellung, so erscheint seine paradoxale Struktur in neuem Licht. Das, was zunächst eine Art hölzernes Eisen schien - Fremdsein und Zuhause schliessen ja auf den ersten Blick sich aus - entfaltet ein semantisches Potential, das besagt: Im Vertrautesten verbirgt sich das Andere. Es sorgt so lange für Irritationen , bis es assimiliert werden kann. Die Bilder der Ausstellung sind, so verstanden, dunkle Spiegel, die gleichwohl Licht in unsere Angelegenheiten bringen.